PSYREON Home

Wenn der Wind des Wandels weht,
bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.
(Chin. Sprichwort)
Home Kontakt Impressum Sitemap


Big Five-Persönlichkeitstest: Einfühlsame Frauen und unerschütterliche Männer? (24.06.2004)


Männer sind anders, Frauen auch - zumindest laut Selbstbeschreibung. Frauen beschreiben sich selbst als verträglicher, als Männer dies tun. Dies gilt insbesondere für die dem Faktor Verträglichkeit untergeordneten Eigenschaften Hilfsbereitschaft und Empathie. Im Gegenzug fällt in der Selbsteinschätzung von Männern die emotionale Stabilität deutlich höher aus. Sie erreichen im Schnitt höhere Punktwerte in Sachen Sorglosigkeit, Ausgeglichenheit, Selbstvertrauen, Gelassenheit und Stressbeständigkeit. Dies ergab die Analyse der Testantworten von gut 1.500 TeilnehmerInnen am Big Five-Persönlichkeitstest von PSYREON.

Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in zentralen Persönlichkeitsmerkmalen sind in der psychologischen Forschung nichts Neues: Zahlreiche Untersuchungen mit verschiedenen Persönlichkeitstests kommen unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis. Doch wie lassen sich die Befunde interpretieren? Zunächst sei festgehalten, dass die Ergebnisse keinen Aufschluss darüber geben, ob Männer und Frauen sich in Punkto Verträglichkeit und emotionale Stabilität tatsächlich unterscheiden. Da es sich beim Persönlichkeitstest um ein Instrument zur Selbstbeschreibung handelt, lässt sich lediglich feststellen, dass die Geschlechter sich selbst unterschiedlich beschreiben.

Warum also halten sich Frauen für verträglicher und sensibler als Männer? Die Wissenschaft hat hierzu verschiedene Erklärungsansätze. Da die Ergebnisse mit den Charakteristika der traditionellen Geschlechterrollen übereinstimmen, liegt der Verdacht nahe, dass Vorstellungen von „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Eigenschaften die Selbstbeschreibung beeinflussen. Die Frage, ob die klassischen Rollenbilder von einfühlsamen Frauen und selbstbewussten Männern in unserer Gesellschaft tatsächlich noch so fest in unseren Köpfen verankert sind, dass sie das eigene Selbstbild bestimmen, wird kontrovers diskutiert.

Grundsätzlich sollte die Bedeutung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht überschätzt werden. Im Vergleich zu den mitunter extremen Unterschieden zwischen einzelnen Personen sind die durchschnittlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen eher gering.

Unsere Analyse der Testantworten zeigt außerdem, dass die Ausprägung einiger zentraler Persönlichkeitseigenschaften sich mit zunehmendem Alter verändert. Ältere Teilnehmer beschreiben sich als verträglicher, gewissenhafter und emotional stabiler, als jüngere dies tun. Auch diese Befunde stimmen mit den Ergebnissen der aktuellen psychologischen Forschung überein. Darüber hinaus wird in anderen Untersuchungen häufig berichtet, dass Extraversion und Offenheit mit steigendem Alter abnehmen. Diesen Trend konnten wir bei den Antworten unserer Testteilnehmer jedoch nicht feststellen.

Sie möchten gern mehr über die psychologische Forschung zur menschlichen Persönlichkeit wissen? Unser Online-Artikel (pdf-Dokument, 477 kb) gibt eine Einführung in das Big Five-Persönlichkeitsmodell.


Printversion